Interview mit Dr. Harald Schmid

Wir mobilisieren die Kräfte, die in den Trainerinnen und Trainern stecken

Als promovierter Sportwissenschaftler entwickelte Dr. Harald Schmid mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Konzept für die Schulungen zum Thema „Kinder stark machen“. 

Portrait-Bild von Dr. Harald Schmid
© Harald Schmid

Herr Schmid, welches Ziel verfolgen die Schulungen zum Thema „Kinder stark machen“?

„Die Schulungen sind im Rahmen der Kampagne „Kinder stark machen“ entwickelt worden. Wenn man Suchtvorbeugung im Sportverein umsetzen will, ist es wichtig, auch die Verantwortlichen dafür auszubilden. Und das sind die Trainerinnen und Trainer. Ziel ist es, ihnen zu vermitteln, was sie dazu beitragen können, die Lebenskompetenz von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Man kann es auch so formulieren: Wir unterstützen die Trainerinnen und Trainer in ihrem Trainingsalltag.“

Was heißt das konkret? Was lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Schulungen?

„Das, was wir unter „Lebenskompetenz fördern“ verstehen, kann man jeden Tag in kleinen Schritten in die Arbeit mit Kindern einfließen lassen. Dafür wollen wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sensibilisieren. Ganz konkret lernen sie zum Beispiel, wie sie eine funktionierende Gruppenstruktur aufbauen können, wie sie das Training so gestalten können, dass es als Erlebnis und manchmal sogar als kleines Abenteuer empfunden wird. Denn das ist ein Grundbedürfnis von Kindern, besonders von Jugendlichen. Sie lernen aber auch, wie sie die Freundschaft in einer Gruppe fördern oder wie sie Kinder darin unterstützen können, mit Konflikten umzugehen und sie eigenständig zu lösen.“

Ist dabei ihre Rolle als Vorbild wichtig?

Harald Schmid war einer der besten 400-m-Hürdenläufer der Welt. Bei olympischen Spielen gewann er die Bronzemedaille mit der deutschen Staffel und im 400-Meter-Hürdenlauf. Er war Vizeweltmeister und fünfmal Europameister.

Er engagiert sich seit 1995 in der Kampagne „Kinder stark machen“ und schult Referentinnen und Referenten aus Sportverbänden zum Thema „Suchtvorbeugung im Sportverein“.

„Ja, ganz bestimmt. Eines der wichtigsten Dinge, die sie lernen, ist genau das: ihre eigene Rolle als Trainerin oder Trainer zu verstehen. Oftmals unterschätzt man sich selbst als Vorbild. Besonders jüngere Menschen, die als Gruppenhelfer das Training übernehmen, sehen sich nicht unbedingt in der Vorbildrolle. Aber auch älteren Menschen geht es manchmal so. Doch wer in die Rolle einer Trainerin oder eines Trainers schlüpft, ist ganz automatisch ein wichtiges Vorbild für die Kinder.“

Was bringen die Schulungen den Sportvereinen selbst?

„Die Sportvereine profitieren davon, wenn Trainerinnen und Trainer die Schulung besuchen. Denn wenn sich ein Verein in besonderer Weise um seine Kinder und Jugendlichen kümmert, dann verliert er sie nicht. Gerade im Alter von ca. 14 bis 16 Jahren kehren viele den Sportvereinen den Rücken. In dieser wichtigen Lebensphase der Pubertät, gibt es viele Veränderungen. Die Heranwachsenden wollen sich ausprobieren, sie loten Grenzen aus und suchen das Risiko. Gleichzeitig kommen auf sie wichtige Entscheidungen zu, wie zum Beispiel die Berufswahl. Für viele ist es eine schwierige Phase. Deshalb ist es wichtig, dass die jungen Sportlerinnen und Sportler sich zum einen verstanden und angenommen fühlen und zum anderen im Verein ausleben können, was sie suchen: Abenteuer, Grenzerfahrungen und Spaß. Wenn der Verein dann geschultes Personal hat, kann er auf diese Situation besser reagieren und damit der Abwanderung junger Vereinsmitglieder vorbeugen.“