Tim Berkels

Kinderkochbücher motivieren zum gemeinsamen Familienerlebnis

21.11.2019 | Tim Berkels ist 29 Jahre alt und lebt in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). Schon seit seiner Kindheit ist er kreativ und kulturell interessiert und hat als Sänger und Schauspieler an vielen Projekten mitgearbeitet. Jetzt ist er auch als Autor tätig und hat die beiden Kinderkochbücher „Hör mal, wie das schmeckt“ und „Volle Möhre“ veröffentlicht. Im Interview erzählt der gelernte Physiotherapeut und Bewegungspädagoge, wie er auf die Idee kam, Kinderkochbücher zum Vorlesen zu schreiben. Zudem gibt er Tipps, wie man Kinder dazu bewegt, sich gesund zu ernähren.

Portrait Tim Berkels
© Mathilde Mathmann

Herr Berkels, Sie haben die beiden ersten Kinderkochbücher zum Vorlesen geschrieben. Was hat Sie dazu bewegt?

„Ich arbeite seit fast zwei Jahren im Ü3 Bereich einer Kita und als gelernter Physiotherapeut und Bewegungspädagoge ist mir ausgewogene Ernährung und Bewegung ein großes Anliegen. Da sich viele Kinder heutzutage einseitig ernähren und große Scheu haben, etwas Neues und Ungewohntes zu probieren, musste ich kreativ werden. Ich habe zum Beispiel die Kinder aufgefordert, die Erbsen im Bauch zum Rascheln zu bringen. Plötzlich aßen alle Kinder die Erbsen und schüttelten sich auf ihren Stühlen. Daraufhin habe ich angefangen, rund um ausgewogene Rezepte eine Geschichte zu erfinden, die Kinder neugierig macht.“

Gleichzeitig vorlesen und kochen – wie können wir uns das vorstellen?

„Gleichzeitig ist das ein bisschen schwierig. Viele Eltern nutzen das Buch zum Vorlesen vor dem Schlafen gehen. Am nächsten Tag wird dann meist gemeinsam gekocht, denn viele Arbeitsschritte in dem Buch können Kinder schon ab 3 Jahren bewältigen. Natürlich kann man die Geschichte auch kurz vor dem Einkaufen oder Zubereiten vorlesen. Am Ende der Geschichte findet sich immer eine Zutatenliste und welches Material benötigt wird. Auch der Schwierigkeitsgrad und die Dauer werden angezeigt, bevor die Schritt-für-Schritt-Anleitung folgt.“

Ihre Kinderkochbücher motivieren zum gemeinsamen Familienerlebnis: Vorlesen und Kochen. Wie wichtig ist das für die Entwicklung der Kinder?

„Wie wichtig und prägend waren denn Geschichten für Sie in Ihrer Kindheit? Ich glaube, wenn man sich diese Frage stellt, fallen einem da einige Geschichten aus der eigenen Kindheit ein, die bis heute präsent sind. Vorlesen ist nicht nur wichtig für die Sprachentwicklung des Kindes. Verbindet man das Vorlesen mit weiteren Sinnen, werden die unterschiedlichsten Areale im Hirn miteinander verknüpft. Mit meiner Buchidee, zum Beispiel, wird die Fantasie durch das Lesen oder Vorlesen der Geschichte angeregt und im Kochtopf oder auf dem Teller weitergelebt. Außerdem werden so alle Sinne auf einmal angeregt. Ich glaube, dass Kinder so noch lange beim Essen und Kochen einer Möhren-Orangen-Ingwer-Suppe an den fliegenden Hasen Löffel denken. Ich weiß von meiner Arbeit und in Gesprächen mit Eltern, wie schwierig es für sie ist, ihre Kinder dazu zu bewegen ausreichend Vitamine und Nährstoffe zu sich zu nehmen. Als Erwachsener müssen wir nur wieder lernen, mit den Augen eines Kindes zu sehen und den Teller ansprechend zu gestalten. Als Tipp: Oft reicht auch die Veränderung der Konsistenz aus. Dann gibt es halt das Gemüse roh oder den Auflauf komplett püriert.“

Was ist Ihr Lieblingsgericht, wenn Sie mit Kindern kochen?

„Ich glaube, am aufregendsten ist der „Tiefseeteller“ mit der Geschichte über die „drei Herzen des Tiefseemonsters“. Nicht nur, dass sich Kinder für alles Mystische und Geheimnisvolle interessieren, die einzelnen Zubereitungsschritte verlangen auch viel feinmotorisches Geschick. Schneiden, Schälen und sogar Möhrenherzen schnitzen sind die ersten Zubereitungsschritte. Auch die Tentakel der Bockwurst-Tintenfische rollen sich magisch beim Kochen ein.“

Was haben Sie als nächstes geplant? Dürfen wir uns auf weitere Bücher von Ihnen freuen?

„Die Arbeit mit den Kindern bringt mich täglich auf neue Ideen und so kam es, dass mich eine Mutter um Rat fragte, wie sie mit den Albträumen ihres Kindes umgehen solle. Ich habe ihr geraten, dass ihr Sohn den Albtraum aufmalen und diesen vergraben könnte. Diese Idee half dem Jungen, mit dem erlebten Traum besser umzugehen. Ich habe daraufhin ein Kinderbilderbuch geschrieben und illustriert, welches drei typische Ängste thematisiert, sobald das „Licht aus“ ist: Die Schatten in meinem Zimmer, die dunkle Kellertreppe mit den gruseligen Geräuschen sowie das Monster unter meinem Bett, welches vielleicht genau so viel Angst hat, wie ich.“

Vielen Dank für das Interview!


Weitere Informationen zu Tim Berkels und seinen Büchern finden Sie unter www.hoer-mal-wie-das-schmeckt.de.