Kristin Langer

Eltern sollten als Vorbild einen bewussten Umgang mit Medien vorleben

13.12.2017 | Weihnachtsferien, draußen vielleicht Schmuddelwetter: Das kann für viele Kinder und Jugendliche – und auch für die Eltern – ein Anlass sein, mehr Zeit als sonst „online“ zu verbringen. Zumal manch einer auf dem Gabentisch ein neues Smartphone oder Tablet finden wird, das ausprobiert werden will. Aber wie lange sollen Kinder im Internet unterwegs sein? Wie können Eltern dabei den Jugendschutz sicherstellen? Ist es sinnvoll, Regeln zu vereinbaren? Wir sprachen mit Mediencoach Kristin Langer von der Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“, einer gemeinsamen Initiative des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, von Das Erste und ZDF sowie der TV SPIELFILM.

Porträt von Kristin Langer
© SCHAU HIN!

Frau Langer, Weihnachtszeit ist auch Online-Zeit. Viele Eltern sorgen sich, dass ihre Kinder zu viel Zeit im Internet verbringen – und dabei auch auf Seiten landen, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind. Was können die Eltern tun?

„Für Eltern gilt zunächst einmal, auf den Jugendschutz bei den Zugangsgeräten, also bei Smartphone oder Tablet, zu achten. Eine Software oder App ist schnell installiert und diese filtert dann, nach entsprechender Voreinstellung, Seiten nach Alter und Inhalten aus. Wichtig ist auch, dass Surfeinsteiger sich in einem sicheren Surfraum bewegen. Richten Eltern eine Kinderstartseite ein, in der Kindersuchmaschinen eingebunden sind, ist dies eine gute Basis, kindgerechte Angebote im Netz zu finden. Bei jüngeren Kindern vom Vorschulalter an bis etwa zum Alter von neun oder zehn Jahren rate ich, den Internetzugang passwortgeschützt einzurichten und zu vereinbaren, dass die Internetnutzung nur mit elterlicher Begleitung erfolgt. Weitere Tipps, wie Eltern mobile Geräte kindersicher einrichten können, gibt es unter www.schau-hin.info/sicherheit.“

Die Eltern stört es oft, wenn die Kinder ständig mit dem Smartphone beschäftigt sind – umgekehrt mögen es auch die Kinder nicht, wenn die Erwachsenen in ihrer Gegenwart das Handy nutzen. Welche Rolle spielt die Vorbildfunktion der Eltern?

„Gerade für jüngere Kinder ist es wichtig, wenn Eltern ihnen als Vorbild einen bewussten Umgang mit Medien vorleben. Dazu zählt besonders, berufliche und private Aktivitäten so häufig wie möglich voneinander zu trennen und sich in Familienzeiten nicht ständig per Smartphone ablenken zu lassen. Bei Abholzeiten in Kita und Schule bleibt das Handy stumm, während des Essens, beim Spielplatzbesuch oder bei der Autofahrt wird es bewusst ausgeschaltet, um nicht immer erreichbar zu sein. Damit zeigen Eltern, dass sie sich im Alltag nicht von den Möglichkeiten der Medien bestimmen lassen und sich bewusst für den Moment entscheiden, wann und wie lange sie Medien nutzen.“

Sind Regeln zur Mediennutzung im Familienalltag sinnvoll – und sollen diese dann auch für die Eltern gelten?

„Aus meiner Sicht sind Regeln und Verabredungen sehr sinnvoll. Sie verschaffen Kindern eine Orientierung und einen sicheren Rahmen, in dem Sie sich bewegen können. So müssen in jedem Falle Verabredungen zum Umgang mit persönlichen Daten getroffen werden und auch alle Bereiche, in dem es um Rechte anderer geht sind, zu respektieren. Bei Gesprächen über die Mediennutzung üben Eltern ein, das Medieninteresse und die Medienaktivitäten des Nachwuchses ernst zu nehmen. Zwischen Eltern und Kindern baut sich ein Vertrauensverhältnis auf: Halten sich Kinder an Verabredungen, vertrauen Eltern ihnen eher und sind bereit, sich auch auf Belange der Kinder einzustellen, etwa in verabredeten Spielzeiten nicht zu stören, über Nutzungszeiten zu verhandeln oder vereinbarte Medienpausen auch wirklich einzuhalten. Klar ist jedoch auch: Eltern und Kinder haben in der Mediennutzung durchaus unterschiedliche Rechte. Eine feste Struktur bei der Mediennutzung macht Kinder und Eltern stark, selbst die Entscheidung zu treffen, wann, wie lange, warum und welche Medieninhalte genutzt werden. Das ist wichtig, um auch einmal NEIN sagen zu können: etwa wenn Medieninhalte verängstigen oder Medienzeiten überhand nehmen. Kurz und gut: Regeln sind wichtig, um die Balance zwischen digitaler und realer Erlebniswelt für Heranwachsende herzustellen. Zudem unterstützen sie Eltern und Kinder darin, über die eigene Mediennutzung zu reflektieren sowie durch selbstbestimmtes Handeln die Nutzung zu regulieren.“

Viele Eltern sind unsicher, welche Mediennutzung für welches Kindesalter angemessen ist. Wo können sie sich orientieren? Gibt es z. B. Richtwerte, welche Zeit für welches Alter empfehlenswert ist?

„Unser Familienratgeber SCHAU HIN! gibt hier altersbezogene Hinweise. Wenn Eltern ihre Kinder bei der Entdeckung der Medienwelt von klein auf begleiten, haben sie schon eine gute Einschätzung dafür, welche Vorlieben ihr Kind hat, welche Medienangebote überfordern und welche Medieninhalte genau passend sind. Hinsichtlich der Zeiteinteilung geben wir folgende Orientierungswerte:

  • bis fünf Jahre: bis eine halbe Stunde am Stück
  • sechs bis neun Jahre: bis zu einer Stunde am Stück (gestaffelt nach Medienroutine)

Als eine andere Orientierung gilt ein Limit der Medienzeit von zehn Minuten pro Lebensjahr am Tag oder eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche. Die Mediennutzung für die Schule muss gesondert betrachtet werden. Eltern stellen sehr leicht fest, ob ihre Kinder von der Medienbeschäftigung überfordert oder herausgefordert wirken. Ganz besonders wichtig ist aber auch, dass Eltern auf altersgerechte Medieninhalte achten.“

Frau Langer, vielen Dank für das Gespräch und ihre Tipps.


Weitere Informationen zur Initiative „SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht.“ finden Sie hier.


Für junge Menschen im Alter von 12 bis 18 Jahren gibt es das Internetportal www.ins-netz-gehen.de der BZgA. Die zahlreichen interaktiv aufbereiteten Informationen sollen die Jugendlichen dabei unterstützen, Online-Angebote wie etwa Soziale Netzwerke, Chats und Computerspiele verantwortungsvoll und risikofrei zu nutzen.

Für Multiplikatoren bietet die BZgA Informationen unter www.multiplikatoren.ins-netz-gehen.de an.