Julian Draxler

Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche zu Wort kommen

13.09.2017 | Julian Draxler ist Fußballprofi und UNICEF-Pate. Im Interview verrät er, warum er sich für Kinderrechte einsetzt. Zudem erklärt der Nationalspieler, wie wichtig es ist, dass Kinder ihre Meinung äußern und mitreden können. Auch sein aktuelles Engagement für die Online-Umfrage „ich bin #wählerisch“ stellt er vor.

Julian Draxler im UNICEF-Pullover umringt von Kindern
© IGS Langenhagen

Im Verein und in der Nationalmannschaft haben Sie im Laufe Ihrer Karriere bereits einige Höhen und Tiefen erlebt. Was bedeutet Ihnen der Erfolg und wie wichtig ist es, auch mit Rückschlägen umgehen zu können?

„Ich bin Fußballprofi und Leistungssportler und somit ist der Erfolg ein sehr wichtiger Motivationsfaktor für mich. Doch zum Erfolg gehören auch Niederlagen und aus denen lernt man bekanntlich am meisten.“

Sie haben schon im Kindergartenalter mit dem Fußballspielen angefangen. Wie wichtig war für Sie die Unterstützung durch das Trainer- und Betreuerteam von den Bambini bis zur U-19-Mannschaft?

„Ganz viele Kids träumen den Traum von Fußballprofi, doch nur sehr wenige schaffen es. Um es zu schaffen, braucht es Talent, sehr viel Disziplin und die richtigen Menschen um dich herum, die an dich glauben und dir stetig helfen, dich erfolgreich weiter zu entwickeln. Bei mir waren und sind diese Menschen nicht nur Trainer und Betreuer, sondern auch meine Familie, meine Freunde und all die, auf die ich mich absolut verlassen kann.“

Sie sind am 20. September – dem Weltkindertag – geboren und somit geradezu prädestiniert, sich für die Kinder und ihre Rechte einzusetzen. Seit einem Jahr sind Sie UNICEF-Pate. Wie kam es dazu und wie sieht Ihr Engagement für UNICEF aus?

„Ich bin gesund, habe eine Familie, die mich unterstützt, Freunde, die zu mir stehen, und durfte bisher erfolgreich den Traum vom Profifußballspieler, den viele Kinder träumen, wahr werden lassen. Es gibt Vieles, wofür ich in meinem Leben sehr dankbar bin. Vor allem weil ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist: Viele Kinder und Jugendliche weltweit, aber auch in Deutschland, haben niemanden, der sie fördert und an sie glaubt. Als Fußballer stehe ich in der Öffentlichkeit. Diese Bekanntheit ist mir persönlich gar nicht so wichtig, aber es bedeutet mir viel, dass ich sie zum Beispiel dafür einsetzen kann, um auf die Situation von Kindern und ihre Rechte aufmerksam zu machen. Deshalb bin ich auf UNICEF Deutschland zugegangen – um ihre Arbeit zu unterstützen. Und dann auch am Weltkindertag Geburtstag zu haben, wenn das kein Zeichen ist – oder?“

„Kindern eine Stimme geben!“ lautet das diesjährige Motto zum Weltkindertag. Wie wichtig ist es, dass Kinder ihre Meinung äußern und mitreden können?

„Kinder und Jugendliche haben das Recht, ihre Meinung zu äußern und damit auch ernst genommen zu werden. Ich finde es enorm wichtig, dass sie zu Wort kommen. Von wem, wenn nicht von ihnen selbst, können wir am besten erfahren, wo ihre Rechte übersehen werden oder ganz fehlen, wo sie nicht gehört werden oder wie sie sich die Welt von morgen vorstellen. Viele Jugendliche sind über das, was in dieser Welt geschieht, informiert und sie sind politisch interessiert. Es ist ihnen wichtig, sich mit ihren Ideen in Gesellschaft und Politik einzubringen. Dafür müssen sie aber auch die Chance bekommen. Wir müssen ihnen eine Stimme geben – in ihrer Schule, ihrer Stadt, aber eben auch in der Politik.“

Zur Bundestagswahl hat der UNICEF-JuniorBeirat die Online-Umfrage „ich bin #wählerisch“ ins Leben gerufen. Um was geht es dabei?

„Es ist kein Geheimnis, dass unsere Gesellschaft immer älter wird. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist gut ein Drittel der Wahlberechtigten über 60 Jahre alt. Der Anteil der jungen Wähler hat hingegen in den vergangenen Jahrzehnten stetig abgenommen. Hinzu kommt, dass Jugendliche unter 18 Jahren noch kein Kreuz bei der Bundestagswahl machen dürfen. Trotzdem haben sie eine Stimme, die gehört werden muss. Gemeinsam mit dem UNICEF-JuniorBeirat möchte ich mich dafür einsetzen, dass sie auch bei den politischen Entscheidern gehört wird. Die Teilnehmer der Online-Umfrage „ich bin #wählerisch“ können zu fünf verschiedenen Themen ihre Meinung äußern, indem sie einzelne Aussagen dazu bewerten und das für sie wichtigste Thema auswählen. Zur Auswahl stehen die Themen Bildung, Flüchtlinge, Nachhaltigkeit und Klima, Gleichberechtigung oder Rassismus und Nationalismus. Diese Themen hat der UNICEF-JuniorBeirat im Vorfeld festgelegt. Die jungen Teilnehmer können auswählen, womit sich der zukünftige Bundestag beschäftigen soll. Denn an ihn sollen die Ergebnisse der Umfrage übergeben werden. Das ist eine riesige Chance für Jugendliche in ganz Deutschland und ich hoffe, dass so viele wie möglich mitmachen. Das wäre ein starkes Zeichen an die neue Bundesregierung und den Bundestag. Es gibt nämlich keine Politik, die Kinder und Jugendliche nicht betrifft.“

Vielen Dank für das Gespräch!