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Jan Holze

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bewegung, Spiel und Sport

18.05.2020 | Im Interview betont Jan Holze, Vorsitzender der Deutschen Sportjugend (dsj) und Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), wie wichtig Bewegung für Kinder und Jugendliche ist – gerade in Zeiten von Corona. Er zeigt auf, wie die dsj die Vereine bei der schrittweisen Öffnung des Sportbetriebs unterstützt und fordert, dass auch der Sportunterricht wieder stattfindet.

Seit dem 6. Mai ist klar, dass der Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter freiem Himmel – in manchen Bundesländern auch in der Halle – unter bestimmten Bedingungen wieder erlaubt ist. Wie sehen Sie diese Lockerungen?

„Positiv! Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Bewegung, Spiel und Sport. Ich bin klar der Meinung, dass ein Wegsperren von Kindern, auch unter dem Stichwort Sicherheit, keine Lösung ist. Bei den 7- bis 14-Jährigen sind 70 Prozent Mitglied eines Sportvereins. Neben Familie und Schule prägt der Sportverein damit ihr Alltagsleben, das von einem auf den anderen Tag verloren ging. Dabei ist das Zeitempfinden, insbesondere von kleineren Kindern, ein anderes als bei uns Erwachsenen. Über sieben Wochen keine Bewegung und keine sozialen Kontakte – das ist für sie eine Ewigkeit. Sie können das nicht später nachholen, ihre Kindheit ist jetzt. Deshalb bin ich froh, dass es – unter Wahrung der Regeln zum Gesundheitsschutz – wieder mit dem Sporttreiben im Verein losgehen kann.“

Wie kann die dsj als Dachverband die Sportvereine bei der schrittweisen Öffnung des Sport- und Trainingsbetriebs unterstützen?

„Die dsj hat an der Entwicklung der 10 Leitplanken des DOSB mitgearbeitet, die zur Grundlage für verantwortungsbewusstes Sporttreiben dienen. Darauf aufbauend wurden über 60 sportartspezifische Konzepte entwickelt, die unter Einhaltung der Hygieneregeln die Ausübung der jeweiligen Sportart ermöglichen. Das alles gilt es nun zu kommunizieren und dabei auch immer wieder gute Beispiele herauszustellen. Deshalb starten wir für den Kinder- und Jugendsport auch einen Aufruf, kreative Ideen zu teilen. Wir wollen diese auf unserer Webseite sammeln und andere inspirieren, gemeinsame Wege zu finden.
Wir wussten schon vorher, dass wir nicht von jetzt auf gleich in einen normalen Alltag zurückkehren werden. Umso wichtiger ist es, dass die Zivilgesellschaft und hier insbesondere der Sport bei der Umsetzung der politischen Vorgaben mit anpacken. Wir alle können dazu beitragen, dass in Zeiten von Corona Kinder und Jugendliche eine durch Bewegung geprägte Normalität erleben, die ein gesundes und glückliches Aufwachsen ermöglicht.“

Die beschlossenen Lockerungen sind für Kinder und Jugendliche sehr wertvoll. Was wäre aus Ihrer Sicht der nächste Schritt bzw. ein weiterer Ansatz, um ihnen zusätzliche Bewegungsräume zu geben?

„Nach den beschlossenen Öffnungen für den Freiluftbereich müssen nun auch die Hallen bald wieder öffnen. Es gibt so viele Möglichkeiten, sich in geschlossenen Räumen zu bewegen, auch unter Einhaltung von Abstands- und Hygienemaßnahmen. Ich bin überzeugt, dass das auch mit Kindern und Jugendlichen in Gruppen gelingt. Kreative Ideen hierfür gibt es ganz viele. Für die Umsetzung haben wir 600.000 ausgebildete Trainer*innen und Übungsleiter*innen im Sport. Erfahrene Leute, die jetzt die Rückkehr in den geregelten Sportalltag begleiten. Dasselbe gilt im Übrigen für den Schulsport. Bei der schrittweisen Rückkehr zum Schulalltag können Sportvereine behilflich sein. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Schulsport überhaupt wieder stattfindet. Bildung ist mehr als Mathematik- und Deutschunterricht. Auch der Sportunterricht muss wieder stattfinden.“

Die aktuelle Situation ist für Eltern zurzeit ein Kraftakt und Geduldsspiel. Stellen Sie sich vor, es wäre alles wieder möglich – wie vor der Corona-Zeit. Was würden Sie als erstes mit Ihren drei Kindern unternehmen?

„Ins Schwimmbad gehen und anschließend ein riesen Gartenfest mit Freunden, Familie und jeder Menge Kinder, die bis spät in die Nacht durch den Garten toben und feiern!“

Vielen Dank für das Interview, Herr Holze!