Britta Heidemann

Die Kraft des Sports

09.10.2019 | Britta Heidemann gelang als erster Degenfechterin in der Geschichte das „Golden Triple“: Sie holte nacheinander Olympiagold, den Welt- und Europameistertitel und hatte somit alle drei großen Titel gleichzeitig inne. Im Interview erzählt sie, wie sie mit Erfolgen und Rückschlägen umgeht. Sie spricht über ihre Arbeit als Botschafterin der Kampagne „Sport für Entwicklung“ und erklärt, warum ihr diese Arbeit mit Kindern so wichtig ist.

Portrait Britta Heidemann hält eine Medaille hoch
© Thomas Kettner

Frau Heidemann, Ihr Traum ging in Erfüllung. Ihnen gelang als erste Degenfechterin das „Golden Triple“. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

„Mein Ziel war es eigentlich immer, alles aus mir herauszuholen, was möglich ist. Dass es für so viele Siege reicht, hätte ich nie zu träumen gewagt. Der Olympiasieg 2008 war der absolute Höhepunkt meiner sportlichen Karriere, aber 2009 dann alle drei großen Titel gleichzeitig innezuhaben, das hat sich einfach nur fantastisch angefühlt. Konstant und immer wieder auf den Punkt Bestleistungen abzurufen – diese Herausforderung hat mir einfach Spaß gemacht.“

Im Leistungssport werden Erfolge angestrebt und darauf hintrainiert. Neben Erfolgen gibt es aber auch Rückschläge. Wie sind Sie mit Niederlagen umgegangen und welche Ratschläge haben Sie dazu?

„Nicht nur im Leistungssport möchte man Erfolgserlebnisse haben – jeder möchte vorankommen. Dafür arbeitet man diszipliniert und freut sich über Fortschritte. Man muss sich aber der Tatsache bewusst sein, dass im Leben Rückschläge nun mal einfach dazu gehören. Das zu akzeptieren ist das Erste, denn das verhindert Panik im Falle einer Niederlage. Dann gehört es dazu, kritisch zu analysieren. Außerdem ist es entscheidend, ein Umfeld zu haben, welches einem ein ehrliches Feedback gibt. Und übrigens: Auch aus Siegen kann man lernen. Man sollte Erfolge nicht nur feiern, sondern hinterfragen, welche Faktoren zum Erfolg geführt haben.“

Sie haben bereits in jungen Jahren mit dem Leistungssport begonnen. Sport kann zur Entwicklung der Persönlichkeit von Kindern und Heranwachsenden beitragen. Was hat Ihnen als Kind Sport gegeben und wie hat Ihr Umfeld Sie unterstützt?

„Meine Familie ist sehr sportlich und ich bin mehr oder weniger auf dem Sportplatz groß geworden. Für mich bedeutet Sport Gemeinschaft. Es gab für mich als Kind nichts Schöneres, als mich körperlich zu betätigen, mit den anderen zu lachen, sich zu messen und dann glücklich erschöpft nachhause zu kommen. Ich gehe übrigens noch heute mit meinem Vater laufen. Und, ganz wichtig: auch kleine sportliche Erfolgserlebnisse haben mich als Mädchen sehr viel selbstbewusster gemacht. Die Vorbereitung auf die großen sportlichen Erfolge, die an der Stelle geforderte mentale Stärke hat mich zudem sehr für das ‘Leben danach’ gestählt.“

Unser Kooperationspartner, der DOSB, hat mit Ihnen als erfolgreiche Sportlerin eine Botschafterin für „Sport für Entwicklung“ gewonnen. Wofür steht die Kampagne und was sind Ihre Aufgaben?

„Bei den Projekten von ‘Sport für Entwicklung’ soll möglichst vielen Kindern aus Entwicklungsländern die Chance gegeben werden, Sport zu treiben. Denn die Kraft des Sports macht alles andere dann leichter: die Vermittlung von Freude an der Bewegung, von Werten wie Teamplay, Respektieren von Regeln, das Miteinander von Mädchen und Jungen, Empathie sowie die Freude daran, sich anzustrengen, um ein Erfolgserlebnis zu haben. Für mich ist es die größte Belohnung, diese Kinder in ihrer Offenheit und Freude und Herzlichkeit zu erleben. Kinder, die ohne Hilfe oft in schwierigsten Lebensbedingungen kaum Perspektiven und Lebensfreude erleben.“

Frau Heidemann, vielen Dank für das Interview!