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Birgit Kleinschmidt

Die Kinder sind tapfer, aber vermissen den Sport

22.06.2020 | Sportvereine haben es im Moment nicht einfach. Birgit Kleinschmidt ist seit 20 Jahren Übungsleiterin von mehreren Kinderturngruppen und unterrichtet Sport an Grundschulen im Waldecker Land. Darüber hinaus ist sie Beauftragte für Kinder-, Jugend- und Gruppenarbeit im Turngau Waldeck. Im Interview gibt sie einen Einblick, welche Hürden die Vereine nehmen müssen, um den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen zu können. Außerdem spricht sie von den Ängsten und Sorgen der Kinder in den Zeiten von Corona.

Seit Anfang Mai ist der Sport- und Trainingsbetrieb im Breiten- und Freizeitsport unter bestimmten Voraussetzungen wieder erlaubt. Wie sieht der Wiedereinstieg beim Turngau Waldeck und seinen 71 Mitgliedsvereinen aus?

„Wenige Sportgruppen haben im Freien ihren Sport- und Trainingsbetrieb wieder aufgenommen. Im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind leider die Sporthallen, Stadthallen und Dorfgemeinschaftshäuser noch geschlossen.“

Vor allem jüngere Kinder vermissten Schule, Kita und Verein. Wie erleben Sie Ihre Turnkinder? Sind Ängste oder Sorgen spürbar, auch wenn Sie die Kinder noch nicht wieder in der Sporthalle sehen können?

„Ja, die Kinder sind tapfer, aber sie vermissen ihre sozialen Kontakte und das gemeinsame Sporttreiben. Hygiene- und Abstandsregeln lernen die Kinder zuhause, im Kindergarten und in der Schule und versuchen sie auch einzuhalten. Aber sie haben Ängste und Sorgen und wollen wissen, wann sie wieder unbeschwert mit Freunden spielen können. Viele Kinder sind auch traurig, dass nicht nur die Turnhallen zu sind, sondern auch sehr lange die geliebten Spielplätze gesperrt waren. Auch wenn die Corona-Zahlen wieder ansteigen, Spielplätze müssen für Kinder offen bleiben und dafür setze ich mich gerade verstärkt ein.“

Wie gehen Sie und Ihre Übungsleiterkolleginnen und -kollegen mit dieser speziellen Herausforderung – die Umsetzung der Übergangsregeln für das vereinsbasierte Sporttreiben – um?

„Viele Übungsleiterkolleginnen und -kollegen haben auf ihren Trainingsbetrieb keinen Einfluss. Vereinsvorstände sind sehr zurückhaltend, da sie genauso wie der Turngau Waldeck wenig Informationen bekommen, wie ein Training in Corona-Zeiten bei geschlossenen Turnhallen durchgeführt werden kann. Zur Probe haben einige Vereine mit einzelnen Vereinsgruppen angefangen unter freiem Himmel zu trainieren. Sie testen gerade Sportabläufe unter Einhaltung der Hygienekonzepte zwischen machbaren und unüberwindbaren Hürden. Es gibt aber auch zahlreiche Übungsleiter, die sehr gerne ihren Trainingsbetrieb aufnehmen möchten, den Spagat zwischen Aufsichtspflicht, Hilfestellung, Zeitvolumen der Kinderturnstunde und der Materialreinigung und -desinfektion nach jedem Kind allein nicht bewältigen können. Aber woher die zusätzlichen ehrenamtlichen Helfer nehmen, wenn es vorher schon zu wenige gab. Wenn die Corona-Zahlen nicht wieder ansteigen, könnte ich mir vorstellen, nach den Sommerferien wieder mit meinen Kinderturngruppen zu starten. Ich habe auch schon Corona-Sportstunden ausgearbeitet mit viel Bewegung ohne Material.“

Die Lockerungen sind für Kinder und Jugendliche sehr wichtig. Was würden Sie sich wünschen, damit die Sportangebote für Vereine einfacher umsetzbar sind?

„Es wäre wünschenswert, wenn alle Gebäude, in denen Sportangebote durchgeführt werden, wieder öffnen würden. Hilfreich sind auch von Fachleuten ausgearbeitete Stundenkonzepte und Sportstundenabläufe für die Corona-Zeit, die allen Übungsleiterinnen und Übungsleitern zur Verfügung gestellt werden. Auch anwendbare Hygieneregeln und -maßnahmen, die für Trainer alleine in der Turnstunde umsetzbar sind, helfen den Vereinen, wieder mit ihrem Sportangebot zu starten.“

Welche Maßnahmen waren – im Nachhinein betrachtet – aus Ihrer Sicht als Beauftragte für Kinder-, Jugend- und Gruppenarbeit im Turngau Waldeck in der Zeit des Lockdowns wichtig für die jungen Mitglieder und wie haben Sie diese umgesetzt?

„Dass der organisierte Sport in Deutschland einmal komplett stillsteht, das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Von jetzt auf gleich war jede Familie auf sich allein gestellt mit Sorgen, Ängsten und der Kinderbetreuung. Ich bin stolz darauf, dass innerhalb der ersten Woche das ganze Turngau Waldeck-Team 24 Bewegungsideen „Kinder stark machen – die bewegte Minute“ und ein Motivationsvideo für zuhause ausgearbeitet und in zahlreichen Medien veröffentlicht hat. Damit wurde den Familien signalisiert: In Gedanken sind wir bei euch. Nutzt die Zeit in der Familie für gemeinsame positive Erlebnisse.
Die Bewegungsideen sind auf der Webseite des Landkreises Waldeck-Frankenberg und auf der Facebook-Seite des Turngau Waldeck zu finden. Mit der „Bewegten Minute“ turnte sich Turni Turnfrosch durch viele Wohnungen – vom Waldecker Land, über Köln, Berlin, Frankfurt bis hin nach Spanien. Auch an weiteren Aktionen, wie Osterbriefe an Turnkinder und der Purzelbaum-Challenge des Deutschen Turner-Bundes, nahm der Turngau Waldeck von zuhause teil. Auch die zahlreichen Spielideen rund um den Weltspieltag am 28. Mai unter dem Motto „Raus in die Natur!“ des Deutschen Kinderhilfswerk waren ein gelungener Ideenratgeber für Bewegung in der Natur.
Alle anfallenden Arbeiten des Turngau Waldeck wurden kontaktlos durchgeführt. Aus den Gruppensitzungen wurden Online-Telefonkonferenzen. Dadurch ist die Turngauarbeit vorerst auch ohne den persönlichen Kontakt für die Zukunft gesichert. Mir persönlich fehlt zurzeit der direkte Kontakt, aber die Arbeit im Homeoffice funktioniert gut.“

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person:

  • Birgit Kleinschmidt arbeitet in der Grundschule als Teilhabeassistenz und unterrichtet Sport im Rahmen der „Verlässlichen Schule“ im Waldecker Land.
  • Sie ist seit dem Jahr 2000 Übungsleiterin (mit B-Lizenz „Gesundheitsförderung im Kinderturnen“) von mehreren Kinderturngruppen und organisiert seit 20 Jahren „Kinder stark machen“-Aktionen.
  • Damit Kinder eine bessere Lobby bekommen, ist sie für den DTB-Kinderturn-Club im Einsatz.
  • Als Beauftragte für Kinder-, Jugend- und Gruppenarbeit im Turngau Waldeck organisiert sie Großveranstaltungen, Fort- und Ausbildungen für Trainer im Kinderbereich und arbeitet an verschiedenen Projekten, die das Waldecker Land in Bewegung bringen.
  • 2011 wurde das Maskottchen „Turni Turnfrosch“ des Turngau Waldeck von ihr zum „Kinder stark machen“-Botschafter ernannt.