Nia Künzer

Teamgeist und Anerkennung für Kinder im Sport

05.06.2019 | Nia Künzer ist „Kinder stark machen“-Botschafterin und ehemalige Fußball-Weltmeisterin. Bei der Frauenfußball-WM in Frankreich ist sie als ARD-Expertin vor Ort. Im Interview erklärt sie, warum sie an die Kraft des Sports glaubt. Außerdem verrät sie ihre WM-Favoriten.

Portrait Nia Künzer
© Carsten Kobow / BZgA

Nia, in diesem Jahr wirst du in die „Hall of Fame“ des Deutschen Fußballmuseums aufgenommen. Wie hast du reagiert, als du von dieser Nachricht erfahren hast?

„Ich bin per E-Mail darüber informiert worden und war überrascht. Natürlich freue ich mich sehr und empfinde es als große Ehre, dort aufgenommen zu werden. Sicherlich gibt es noch viele weitere Spielerinnen, die Großes für den deutschen Frauenfußball geleistet haben und es verdient haben, in den nächsten Jahren hinzuzukommen.“

Du engagierst dich in zahlreichen Projekten, meistens spielt dabei der Fußball eine große Rolle. Welche soziale Kraft hat der Fußball? Was können gerade Kinder im Sportverein lernen?

„Ich glaube an die Kraft des Sports, oder um mit den Worten Nelson Mandelas zu sprechen: Sport hat die Kraft, die Welt zu verändern. Vielleicht nicht im Großen, aber ganz sicher im Kleinen und insbesondere auch für Individuen. Sport und die Kompetenzen, die im Sport vermittelt werden, können Kinder stark und fit für das Leben machen. Er ermöglicht Chancen und Perspektiven.“

Als Mutter zweier Kinder übst du dich täglich im „Starkmachen“. Was ist dir dabei im Erziehungsalltag besonders wichtig?

„Ich versuche, die Balance zu finden zwischen Orientierung geben, Grenzen setzen und meine Kinder aber auch mal machen zu lassen beziehungsweise Dinge ausprobieren zu lassen. Ich möchte ihnen zeigen, dass ich großes Vertrauen in sie habe. Ich bin mir bewusst, dass ich beziehungsweise wir als Eltern Vorbilder sind, ob wir wollen oder nicht. Respektvolles Miteinander in der Familie und im Alltag insgesamt ist mir wichtig. Ich gebe mich dabei authentisch und nehme keine Rolle an, denn natürlich mache auch ich Fehler und bin manchmal müde oder angespannt. Wichtig ist, das auch zuzugeben.“

Vom 7. Juni bis 7. Juli findet in Frankreich die Frauenfußball-WM statt. Du bist als ARD-Expertin vor Ort. Was ist dein Tipp? Werden die Deutschen Fußball-Weltmeisterinnen?

„Die Frage höre ich im Moment häufiger...und wie immer ist sie nicht ganz einfach zu beantworten. Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der EM 2017 ist die Motivation groß. Martina Voss-Tecklenburg arbeitet sehr fokussiert und zielorientiert. Ob das schon nach so kurzer Zeit Früchte trägt, muss man sehen. Das deutsche Team hat natürlich das Potential und die Qualität, ins Halbfinale zu kommen, wenn alles passt. Aber in einem Turnier spielen viele Faktoren eine Rolle und manchmal gehört auch etwas Glück dazu. USA, England, Brasilien und Gastgeber Frankreich zählen sicherlich mit zu den Favoriten. Für den deutschen Frauenfußball wäre die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020, an denen nur die drei besten Teams aus Europa teilnehmen, enorm wichtig und sollte das Minimalziel sein. Die Konkurrenz ist groß – keine leichte Aufgabe für das DFB-Team...“