Wolfgang Staab

Wenn Bewegung auf dem Stundenplan steht

07.02.2013 | Mit seiner Initiative „DFB-DOPPELPASS 2020“ setzt der Deutsche Fußball-Bund bewährte und neue Akzente im Schulsport. Gemeinsam mit der Kampagne „Kinder stark machen" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) möchte der DFB dadurch zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen anregen.

Im Interview spricht Wolfgang Staab, DFB-Abteilungsleiter Schulfußball, mit „Kinder stark machen" über den Zusammenhang von Bewegung und Lernerfolg.

Wolfgang Staab in weißem TEAM2011-Polo-Shirt mit Nia Künzer in einem "Kinder stark machen"-T-Shirt lächelnd

Herr Staab, es heißt immer wieder, Schülerinnen und Schüler müssten „die Schulbank drücken". In der Tat findet ein Großteil des Unterrichts im Sitzen statt. Warum ist Bewegung im Schulalltag aber so wichtig für ein erfolgreiches Lernen?

„Untersuchungen zeigen, dass Bewegung, Spiel und Sport einen sehr guten Einfluss auf die schulischen Lernleistungen haben. Sportunterricht, bewegte Pausen und weitere Bewegungsangebote während des Unterrichts sorgen für eine bessere Sauerstoffversorgung des Gehirns und fördern somit das Lernen. Kurz zusammengefasst könnte man sagen: Je bewegter der Unterricht, desto ausdauernder, gründlicher und begeisterter lernen die Schülerinnen und Schüler. Ich bin deshalb ein großer Verfechter der täglichen Sportstunde und zusätzlicher Bewegungsangebote, denn es besteht ein großer Bewegungsmangel bei unseren Kindern, die bereits im Grundschulalter durchschnittlich neun Stunden pro Tag in der Schule und in ihrer Freizeit im Sitzen verbringen.“

Welche Rolle spielt die Kampagne „Kinder stark machen" in diesem Zusammenhang?

„Durch Bewegung und Sport können grundlegende Werte wie Vertrauen, Mut, Teamgeist und Respekt erlernt werden. Positive Eigenschaften die dazu beitragen, dass eine gesunde Persönlichkeit entwickelt und frühe Suchtprävention im Sinne von „Kinder stark machen" gefördert wird. Hierzu pflegt der DFB mit der BZgA seit Jahren eine intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bei vielen unserer Aktivitäten und Projekte für Kinder und Jugendliche ist die BZgA deshalb mit ihrer Fachkompetenz geschätzt und ein nicht mehr wegzudenkender Partner für uns geworden.“

Sie waren selbst viele Jahre als Fachberater Sport in einem Schulamt tätig. Wie ist es Ihnen dabei gelungen, das Thema „Bewegung in der Schule" im Schulalltag zu fördern?

Wolfgang Staab (Jahrgang 1954) ist gelernter Sportlehrer und Sportjournalist. Er war 26 Jahre im Schuldienst, darunter 15 Jahre als Fachberater und Geschäftsführer Sport beim Staatlichen Schulamt Aschaffenburg.

2004 wechselte er ins Organisationskomitee der WM 2006 und war dort Projektleiter „Kampagnen“. Er war zudem Marketingmanager für das WM-Stadion in Frankfurt.

2006 übertrug ihm der Deutsche Fußball-Bund die Leitung seiner neu gegründeten Schulfußballabteilung. .

„Wir haben immer wieder durch Fortbildungen versucht, den Schulleiterinnen und Schulleitern sowie den Lehrkräften die Bedeutung dieses Themas aufzuzeigen. Die allermeisten Pädagogen erkennen oder wissen das auch; aber die Umsetzung gestaltet sich dann an ihren Schulen nicht immer ganz so einfach. Viele Pädagogen an den Grundschulen unterrichten Sport, ohne dafür entsprechend ausgebildet zu sein. - Wir als Fachverband haben durch die stetige Zunahme der Ganztagsschulen jetzt die große Chance, durch qualifizierte Angebote ausreichend Bewegungs-, Spiel- und Fußballangebote zu unterbreiten. Natürlich haben wir auch die Hoffnung und das Interesse, dass einige der Schülerinnen und Schüler den Zugang zum Fußball finden und dann in einem Verein wettkampfmäßig weiterspielen.“

Es gibt immer wieder tolle Initiativen und Kampagnen vom DFB für Schulen. Welche Bedeutung hat der Schulsport für den DFB und die Fußballvereine?

„Eine sehr große: Wir spielen seit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in unserem Land gepflegte Doppelpässe mit der „Kommission Sport" der Kultusministerkonferenz und schwerpunktmäßig den rund 20.000 Grundschulen. Wir haben mit unserer Qualifizierungsmaßnahme „20.000plus - Spielen und bewegen mit Ball" mittlerweile knapp 26.000 Lehrerinnen und Lehrer fort- bzw. weitergebildet. Der nächste Schritt wird im Augenblick erarbeitet und geht ab dem Schuljahr 2013/2014 „an den Start".

Die wichtigsten Aspekte für Fußballvereine, mit Schulen zu kooperieren, sind die demografische Entwicklung und die flächendeckende Zunahme der Ganztagsschulen.“

Was ist „DFB-DOPPELPASS 2020" und wer kann mitmachen?

„Die Initiative DFB-Doppelpass 2020 ist schnell erklärt: Unter diesem Motto vereinen wir seit vergangenem Jahr alle unsere Aktivitäten zur Basisförderung des Fußballs in Schule und Verein. Wir nennen es umgangssprachlich den „Marktplatz", auf dem wir unsere gesamte Angebotspalette, unsere Projekte und Maßnahmen gebündelt präsentieren können. Unsere „Kunden", Schulen und auch Vereine, sollen sich das heraussuchen, was zu ihnen passt und was ihren Bedürfnissen gerecht wird. Eigentlich dürfte für jede Institution etwas dabei sein. Mitmachen, also Angebote wahrnehmen, kann jede Schule und jeder Verein.“

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Staab!