Ralf Klohr

FairPlayLiga soll Kindern im Fußball maximale Freiheit und Ruhe verschaffen

12.09.2014 | Ralf Klohr ist ein wichtiger Mann im deutschen Fußball, obwohl in kaum jemand kennt. Der 52-Jährige hat die FairPlayLiga entwickelt, beworben und verbreitet. Mit den zusätzlichen Verhaltensregeln, wird das Faiplay in den Vordergund gerückt. Durch die Übetragung von Verantwortung auf die Kinder und das Vertrauen in ihre Fähigkeiten, werden diese in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt – ganz im Sinne von „Kinder stark machen“.

Portrait Ralf Klohr
© Ralf Klohr

Herr Klohr, dank Ihrer Initiative gibt es eine FairPlayLiga (FPL) im Kinderfußball. Warum haben Sie das Projekt ins Leben gerufen?

„Gestartet wurde das Projekt 2007 wegen einer Schlägerei unter Erwachsenen nach einer angeblichen Fehlentscheidung des Schiedsrichters bei einem Kinderfußballspiel. Unerträglich für mich war, dass sich die Schlägerei vor den Augen der Kinder abspielte.“

Was ist das Besondere an der FairPlayLiga?

 „Bei der FPL werden die ursprünglichen Spielregeln und die Organisationsformen aus dem Kinderfußball nicht verändert. Es gibt drei einfache Stellschrauben, die in das bestehende Spielsystem eingreifen und die Spielgrundlagen kindgerecht gestalten. Hierzu zählen folgende Verhaltensregeln:

  • Schiedsrichterregel (Königsregel): Die Kinder entscheiden selbst.
  • Trainerregel: Die Trainer halten sich mit Anweisungen zurück. Sie unterstützen die Kinder aus der gemeinsamen Coachingzone. Sie haben Vorbildfunktion.
  • Fanregel: Die Fans halten respektvollen Abstand (ca. 15 m) zum Spielfeld.“

Was ändert sich für die Kinder und Erwachsenen aufgrund der neuen Regeln?

„Durch die drei Regeln der FPL wird die Verantwortung für ein kindgerechtes Fußballspiel auf alle Beteiligten verteilt. Das Übertragen der Verantwortung fordert die Kinder auf, über entstandene Regelverstöße selbst zu entscheiden. Gleichzeitig werden die Erwachsenen sensibilisiert, sich am Spielfeldrand Respekt und Anerkennung entgegenzubringen. Die eventuell vorhandenen negativen Emotionen entspannen sich und die Kinder können so – unbeeinflusst von außen – ihr eigenes Spiel spielen.“

Welche Rückmeldungen erhalten Sie von Trainern und Eltern?

„Ich erhalte immer mehr positive Rückmeldungen. Das war am Anfang nicht so. Es ist für die Eltern oft schwer, die Kinder loszulassen. Ihnen passte der „weite“ Abstand (ca. 15 m) nicht. Sie fühlten sich zu weit weg vom Spielgeschehen. Die Trainer dagegen begrüßten den Abstand der Eltern. Sie kritisierten eher, dass sie durch die eingeforderte Zurückhaltung beim Coachen keinen direkten Einfluss mehr auf das Spiel hatten. Beide hatten Probleme mit dem fehlenden Schiedsrichter. Sie trauten den Kindern nicht zu, über eventuell entstandene Regelverstöße selbst entscheiden zu können. Sowohl Eltern als auch Trainer erkennen aber sehr schnell, dass die Kinder gut mit der Situation umgehen können und arbeiten dann – im Sinne der Kinder mit.“

Fühlen sich die Kinder in der FairPlayLiga wohl?

„Kinder fühlen sich immer wohl, wenn sie frei spielen dürfen und ernst genommen werden. Negative Stimmen bei Kindern gibt es nur, wenn allzu leistungsorientierte Trainer und Eltern den Kindern ein negatives Bild der FPL vermitteln. Das hält sich zwar in Grenzen, ist aber dennoch sehr schade.“

Immer mehr Fußballverbände beabsichtigen die FPL-Regeln einzuführen. Ist das möglicherweise die Zukunft für den Kinder- und Jugendfußball?

„Davon bin ich überzeugt, dafür arbeite ich. Seit Mai 2013 empfiehlt der DFB in seiner Jugendordnung die FPL als kindgerechte Spielform. Die Landesverbände haben sich im DFB-Masterplan das Ziel gesetzt, die FPL bis 2017 bundesweit umzusetzen. Wir sind derzeit im Fußballkreis Köln (ich bin dort Fairplay-Beauftragter Jugend) dabei, die FPL weiterzuentwickeln und in den D-Jugendfußball zu übertragen.“

Herr Klohr, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung Ihres Projekts!