Martin Büdenbender

Gemeinsam kann mehr erreicht werden

09.12.2014 | Martin Büdenbender (Bildmitte) arbeitet als Presse- und Öffentlichkeitsreferent bei der AOK Nordwest und ist Gründungsmitglied der erfolgreichen Turnierreihe „Zoff dem Stoff“. Gemeinsam mit der Kreispolizeibehörde Siegen und dem Sportverein FC Eiserfeld hat er das „Anti-Drogen-Fußballturnier“ ins Leben gerufen. Im Interview erklärt er, wie es zu diesem Kooperationsprojekt kam und was die Vorteile der Zusammenarbeit mit Verein, Krankenkasse und Polizei sind.

Ansicht eines Mannes in Polizeiuniform, eines Mannes im grünen AOK-Pullover und eines Mannes mit weiß-gestreiften Pullover
© cst

Das „Kinder stark machen“-Team sagt herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Ausrüstungsgutscheins. Wofür haben Sie diesen erhalten?


„Da zitiere ich gerne aus dem Schreiben, mit dem wir über den Gewinn der 200 € informiert worden sind:

'Sie und die DJK SF Eiserfeld haben für vorbildliche Aktionen zum Thema Suchtvorbeugung einen Gutschein in Höhe von 200 € für einen Vereinsausflug oder eine Vereinsausrüstung gewonnen! Damit bedanken wir uns ganz herzlich für die gute Zusammenarbeit und die schöne Dokumentation Ihrer Veranstaltung. Sie haben „Kinder stark machen“ auf nachhaltige Weise präsentiert und viele Menschen mit der Botschaft erreicht. Auf diesem Weg danken wir Ihnen herzlichst für Ihr tolles Engagement und die tolle Zusammenarbeit'. Viel mehr kann ich eigentlich auch nicht dazu sagen.“

Logo des Anti-Dorgen-Turniers „Zoff dem Stoff“© cst

Herr Büdenbender, das Thema frühe Suchtvorbeugung liegt Ihnen am Herzen. Wie sieht die Umsetzung konkret aus?


„Um das zu erklären, muss man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Als wir, die Kreispolizeibehörde Siegen, der Sportverein FC Eiserfeld (damals noch die DJK Eiserfeld) und die AOK uns zusammenfanden, um ein „Anti-Drogen-Fußballturnier“ zu planen, wussten wir nicht, welche Erfolgsgeschichte das Turnier haben würde. Die Polizei hatte die illegalen Drogen im Blick, wir die legalen Drogen wie Zigaretten und Alkohol und der Sportverein den guten Jugendfußball. Wichtig war und ist uns immer, ohne den erhobenen Zeigefinger unsere Botschaft zu vermitteln. Wir haben schnell gemerkt, dass gute Vorbilder das Verhalten der Spieler und Trainer prägen. So haben wir in Kabinengesprächen denen den Rücken gestärkt, die sich vorbildlich verhalten. Wir laden die Betreuer und Trainer am Aktionstag zu einem „Stammtisch“ ein und holen uns dazu professionelle Hilfe. Trainer und Koordinatoren von teilnehmenden Bundesligavereinen berichten über ihre Arbeit und laden auch immer wieder mal die „Stammtischteilnehmer“ der heimischen Vereine  ein, damit sich diese vor Ort ein Bild machen können. Besonders positiv ist bis heute, wie das ruhige und disziplinierte Verhalten der teilnehmenden Bundesligamannschaften sich auf die heimischen Spieler und Trainer auswirkt. Darüber hinaus bietet das „Blaue Kreuz“ alkoholfrei Cocktails an. Auch attraktive Vorführungen aus anderen Sportarten wie Kunstradfahren, Turnen oder Tanzen ermöglichen einen Blick über den sportlichen Tellerrand hinaus. Infomaterialien der Aktionen „Kinder stark machen“ und „Alkoholfrei Sport genießen“ liegen für die Zuschauer aus und werden den Mannschaften gezielt ausgehändigt. In der jeweiligen Turnierbroschüre beleuchten spezielle Artikel und Berichte aus unterschiedlichen Blickwinkeln das Thema.“

Ist es schwierig für Sie, bestimmte Dinge, wie  bspw. keinen Alkoholausschank, auf Kinder- und Jugendturnieren durchzusetzen?


„Das ist eine spannende Frage. Zunächst bedurfte es schon ein wenig Überzeugungsarbeit, damit auf den Verkauf von Bier verzichtet und ein Rauchverbot in der Halle durchgesetzt werden konnte. Doch vom ersten Turniertag an bis heute, wo das 24. Turnier ansteht, gab es keinen Verkauf von alkoholischen Getränken und auch das Rauchverbot in der Halle wird strikt eingehalten. Was früher teilweise noch zu Unverständnis führte, ist schon seit vielen Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden.“

Worin sehen Sie die Vorzüge in der Zusammenarbeit mit Verein, Krankenkasse und Polizei zum Thema Suchtvorbeugung?


„Wir haben eine klare Aufgabenteilung. Der FC Eiserfeld kümmert sich um den sportlichen Teil des Turniers. Die Polizei und die AOK sind für die inhaltliche Gestaltung verantwortlich. D. h. wir kümmern uns um kompetente Interviewpartner aus unterschiedlichen Bereichen, wie Ärzte oder Therapeuten, Betroffene und  Suchtberater, Staatsanwälte usw. Diese berichten in Spielpausen über ihre Arbeit und Erfahrungen und stehen auch beim schon erwähnten „Trainerstammtisch“ als Ansprechpartner zur Verfügung. Außerdem sind so die Chancen größer, auch mal Prominente (z. B. Harry & Toto) für das Turnier zu gewinnen, ohne dass eine hohe Honorarzahlung fällig wird. Die Verbindungen sind einfach vielfältiger und die Belastungen – auf verschiedene Schultern verteilt – lassen sich besser bewältigen. Gemeinsam kann mehr erreicht werden.“

Porträt Martin Büdenbender© cst

Haben Sie neben der erfolgreichen Turnierreihe „Zoff dem Stoff“ weitere Einsatzbereiche für die Inhalte der Mitmach-Initiative „Kinder stark machen“?


„In diesen Jahren konnte viel ausprobiert werden. Wir haben Poolpartys unter dem Motto „Kinder stark machen“ in unterschiedlichen Städten und Gemeinden hier im Kreis angeboten. Wir haben einige Motto bezogene Tanzveranstaltungen in einer Tanzschule durchgeführt, Theatervorführungen in Schulen vermittelt, Gesprächsabende für Eltern in Sportvereinen gehalten – nur um ein paar Ideen zu nennen. Der damalige Jugendkoordinator von Bayer 04 Leverkusen hat uns sogar einmal gebeten, vor dem Hintergrund, dass Bayer seit Jahren an unserem Turnier teilnimmt, doch einmal eine Infoveranstaltung zu „Kinder stark machen“ mit ihrer A- und B-Jugend zu absolvieren. So sind  Kriminalhauptkommissar Hans Peter Ginsberg und ich nach Leverkusen gefahren und haben einige Stunden aktiv rund um das Thema mit den jungen Fußballern gearbeitet.“

Herr Büdenbender, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihre Projekte!