Marlene Mortler

Kinder sollten einen starken Willen entwickeln

06.08.2015 | Marlene Mortler macht im Interview deutlich, warum frühe Suchtvorbeugung so wichtig ist und welche Suchtstoffe für Kinder und Jugendliche die größte Gefährdung sind. Zudem erklärt die Bundesdrogenbeauftragte Eltern, wie sie ihre Kinder vor einem zu viel an Medien schützen können.

Porträt von Marlene Mortler
© BPA / Denzel

Als Bundesdrogenbeauftragte sind Sie auch für die frühe Suchtprävention bei Kindern zuständig. Wieso ist die frühe Suchtvorbeugung in der Prävention so wichtig?


„Entscheidend ist, dass sich Kinder frühzeitig mit dem Thema Gesundheit auseinandersetzen. Gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Sport sind wichtige Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung. Ich möchte, dass unsere Kinder einen eigenen starken Willen entwickeln. Das ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass sie die Risiken und Gefahren von Drogen und Sucht einschätzen können. Mit der BZgA-Kampagne ‚Kinder stark machen‘ gelingt uns eindrucksvoll die Förderung der Lebenskompetenz. Starke Kinder wissen: Drogen manipulieren das Gehirn. Sie nehmen ihr Leben stattdessen selber in die Hand und gestalten es nach ihren Wünschen und Träumen. Ohne Drogen!“

Bei welchen Suchtstoffen sehen Sie aktuell die größte Gefährdung von Kindern und Jugendlichen?

Marlene Mortler (Jahrgang 1955) ist seit Anfang 2014 Drogenbeauftragte der Bundesregierung.

Sie ist gelernte Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft.

Die Bundesdrogenbeauftragte ist verheiratet und hat zwei Söhne, eine Tochter und vier Enkelkinder.

„Wenn wir von Suchtstoffen reden, müssen wir neben den illegalen Drogen natürlich auf Alkohol und Tabak hinweisen. Die beiden legalen Suchtmittel stehen immer im Fokus der Drogen- und Suchtpolitik. Eine relativ ‚junge Suchtform‘ erleben wir im Bereich Computerspiel- und Internetabhängigkeit. Ich möchte die vielen Vorzüge und Vorteile des Internets, der modernen Kommunikation und der Smartphones nicht schlechtreden. Gleichwohl müssen wir gemeinsam lernen, richtig damit umzugehen. Experten sprechen bereits davon, dass das Thema ‚Onlinesucht‘ Alkohol und Tabak als häufigste Abhängigkeitsform ablösen könnte. Daher ist es mir wichtig, dieses Thema breit in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Wir müssen offen über den Umgang mit Medien reden, aufklären und da wo es nötig ist zielgerichtet Hilfe anbieten.“

Was ist Ihr ganz persönlicher Tipp für Eltern, wie sie ihre Kinder vor einem zu viel an Medien oder negativen Einflüssen schützen können?


„Eltern können und müssen Vorbilder sein. Gönnen Sie sich zum Beispiel gemeinsam mit der Familie einen medienfreien Tag pro Woche! Im Urlaub kann man die Mediennutzung besonders gut reduzieren. Bewegung an der frischen Luft, Sport, Spiel und gemeinsame Unternehmungen fördern und stärken den Zusammenhalt und das Selbstbewusstsein. Es muss nicht immer das Smartphone oder der Tablet-Computer sein.“

Wo und wie kann man mehr erfahren über die Arbeit der Bundesdrogenbeauftragten?


„Gerade wenn wir über Mediennutzung sprechen, kann man auch die Vorteile des Internets benennen: Ich informiere z.B. auf meiner Homepage www.drogenbeauftragte.de über alle Facetten der Drogen- und Suchtpolitik und über neue Entwicklungen. Wer es gerne praktischer hat, der kann mich auch am Tag der offenen Tür der Bundesregierung im Bundesministerium für Gesundheit besuchen. Am Samstag, den 29. August und am Sonntag, den 30. August laden wir in der Berliner Friedrichstraße alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, sich rund um das Thema Gesundheit und insbesondere Prävention zu informieren.“

Vielen Dank, Frau Mortler!