Maren Risch

Kinder sollten bei Fragen zum Internet immer eine Antwort bekommen

11.12.2015 | Kinder im Grundschulalter benötigen bei Aktivitäten im Netz die Unterstützung durch ihre Eltern, sagt Dr. Maren Risch im Interview. Die Medienpädagogin und Bildungsreferentin erklärt, welche Jugendschutzfilter aus ihrer Sicht sinnvoll sind und ab wann ein Kind ein eigenes Handy benötigt. Zudem stellt sie die Arbeit des Vereins Blickwechsel vor, für den sie aktiv ist.

Porträt von Dr. Maren Risch
© Dr. Maren Risch

Im Alter zwischen sechs und sieben Jahren gehen Kinder heutzutage das erste Mal ins Netz. Sollten Kinder hier von Anfang an ihre eigenen Erfahrungen sammeln dürfen oder raten Sie, dass Eltern möglichst lange gemeinsam mit ihren Kindern die Inhalte erkunden?

„Kinder zwischen sechs und sieben Jahren haben teilweise schon klare Ideen, was sie im Internet finden wollen. Das Anschauen von Fotos, How-to-play-Videos oder Online-Spiele sind bereits jüngeren Kindern bekannt oder zumindest interessant für sie. Bei Interesse und Fragen rund um das Thema Internet sollten sie in jedem Fall auch Antworten bekommen. Bei allen Aktivitäten benötigen Kinder im Grundschulalter eine Unterstützung durch ihre Eltern. Das Sammeln von eigenen Erfahrungen sollte sich in einem klaren Rahmen abspielen, bspw. die Suche mit einer Kindersuchmaschine zu einem bestimmten Thema. Obwohl eine Vielzahl an frei verfügbaren Angeboten für diese Altersgruppe im Netz zu finden ist, sollte das eigenständige Surfen und eine beliebige Verweildauer im Netz von Seiten der Eltern eingeschränkt werden.“

Was halten Sie von Jugendschutzfiltern? Bieten sie die gewünschte Sicherheit?

„Prinzipiell kann ein Programm zur Regelung des WLAN-Zugangs zuhause sehr hilfreich sein. Die unterschiedlichen Betreiber bieten dazu teilweise kostenlose Software an, die Eltern recht unkompliziert passgenau für die Familie einrichten können. Der erzieherische Jugendmedienschutz (Einflüsse der Erwachsenenwelt, die nicht dem Entwicklungsstand der Minderjährigen entsprechen, von diesen fern zu halten und Kinder und Jugendliche so bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen) und eine kritische Begleitung der Kinder sind im Grundschulalter jedoch sehr wichtig. Eine Sicherheitssoftware kann die Begleitung durch Eltern (über Erfahrungen reden, Vorbild sein, Altersfreigaben beachten etc.) nicht ersetzen.“

Wie sieht es mit dem Handy aus? Ab wann dürfen Kinder ein eigenes Handy besitzen?

„Aus meiner Erfahrung besteht in den meisten fünften Klassen eine Vollausstattung mit Handys bzw. Smartphones. Ein Smartphone gehört in keinem Fall in die Schultüte und ist auch in der Grundschule als sog. „Notfall-Handy“ absolut unnötig. Ein Aufwachsen ohne eigenes Smartphone darf aus meiner Sicht gerne bis 12 Jahre andauern – die Realität sieht jedoch anders aus. Auch in Grundschulen steigt die Medienausstattung der Kinder mit mobilen Geräten an. Leider beachten viele Eltern nicht, dass sie ihre Kinder mit der Jederzeit-und-Überall-Nutzung der mobilen Geräte überfordern, und dadurch die aufgestellten Regeln zu Nutzungsdauer und medialen Inhalten kaum kontrollierbar sind.“

Ist es nicht schwierig, einem zehnjährigen Kind das Smartphone zu verbieten, obwohl die Freunde vielleicht schon eines haben?

„Die Schallmauer scheint gerade bei etwa zehn Jahren zu liegen. Die Kinder sehen die Ausstattung mit einem Handy nahezu als ein Grundrecht. Eltern rate ich zunächst den Austausch über den Sinn und Zweck der Anschaffung und das gemeinsame Aufstellen von Nutzungsregeln.“

Sie sind aktiv im Verein Blickwechsel. Was ist Ihr Ziel? Wozu wollen Sie Erwachsene anregen?

„Der Verein Blickwechsel e.V. bietet Medienkompetenz-Projekte für verschiedene Zielgruppen an. Im Rahmen des Internet ABC führt der Verein Elternabende an hessischen Grundschulen zum Thema Internet durch. Die Stärkung von Eltern in ihrer erzieherischen Kompetenz ist ein Bestandteil der Arbeit. Das Team aus Medienpädagoginnen und Medienpädagogen bietet Fortbildungen für Lehrkräfte an, bildet Erzieherinnen und Erzieher  fort und ist auch für Berufsfachschulen buchbar. Ziel ist es, Menschen in ihrem Umgang mit Medien zu stärken, kreative Potentiale zu finden und mobile Geräte als Werkzeuge für die Bildungsarbeit kennenzulernen.“

Vielen Dank, Frau Dr. Risch!