Henrike Handrup

Mit Medaillenchancen bei den Paralympics in London

9.10.2012 | Interview mit BZgA-Mitarbeiterin Henrike Handrup. In London fanden die Paralympics statt und die weltbesten Sportlerinnen und Sportler mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen wetteiferten um Medaillen. Mit dabei war auch Henrike Handrup, die im Referat für Suchtprävention der BZgA in Köln arbeitet.

BZgA-Mitarbeiterin Henrike Handrup und Mitstreiterin Ellen Heiny posieren in ihren offziellen roten Paralympic-2012-T-Shirts mit Henrike Handrups Namensschild
© BZgA

Die 29-Jährige ist von Geburt an blind. Sie treibt seit ihrer frühen Kindheit intensiv Sport, wie z.B. Turnen oder Rudern. 2006 kam sie durch eine Kommilitonin zum Tandem-Radsport (Bahn und Straße). 2007 brachte der damalige Bundestrainer Adelbert Kromer das Team Ellen Heiny und Henrike Handrup zusammen. Die beiden sind nicht nur ein Tandemteam, vielmehr hat sich im Laufe der Jahre eine sehr gute Freundschaft entwickelt. Durch die Nominierung für die Paralympics hat das Duo einen Höhepunkt seiner sportlichen Karriere erreicht: Sie fahren nun nach London und haben einiges vor.

Im Interview mit „Kinder stark machen"-Botschafterin Nia Künzer spricht Henrike Handrup über ihre Arbeit bei der BZgA und ihre möglichen Medaillenchancen bei den Paralympics.

Henrike, seit wann arbeitest Du bei der BZgA und was ist Dein Aufgabengebiet?

„Nach meinem Abitur habe ich in Wuppertal Diplom-Psychologie studiert. Im Anschluss daran habe ich eine Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin angefangen. Während dieser Zeit habe ich durch meinen Sport über das Bundesministerium des Innern die Möglichkeit einer dualen Karriere bekommen. Diese Chance habe ich genutzt, denn so kann ich beide Lebensträume von mir nebeneinander verwirklichen.

Ich werde für Wettkämpfe und Trainingslager freigestellt, d.h. ich habe gute Voraussetzungen, mich in meinem Sport weiter zu entwickeln. Gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, einer geregelten Arbeit nachzugehen, denn nach meiner sportlichen Karriere ist es von Vorteil beruflich Fuß gefasst zu haben.

Im März 2012 habe ich bei der BZgA angefangen. Dort arbeite ich zusammen mit zwei Kollegen in der Kampagne „Kinder stark machen". Die Arbeit im Team macht mir viel Spaß, und ich kann meine Erfahrungen aus dem Sport mit seinen vielfältigen Möglichkeiten und Chancen gut einbringen.“

BZgA-Mitarbeiterin Henrike Handrup und Mitstreiterin Ellen Heinymit weißem Fahrrad-Helm und in weißer Paralympic-Wettkampfkleidung© BZgA

Bei der Kampagne „Kinder stark machen" geht es ja darum, die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein von Kindern zu stärken. Was hat Dich - trotz Deiner Blindheit - stark fürs Leben gemacht?

„Meine Eltern haben mich bei allem unterstützt was ich mir vorgenommen habe. So hatte ich die Möglichkeit, meine Grenzen auszutesten, denn als Kind wollte ich z.B. Hockey spielen, weil mein Bruder dies getan hat. Meine Eltern ließen mich, bis ich selber erkannt habe, dass ich mir vielleicht besser eine Sportart ohne Bälle aussuchen sollte. Auch meine Freunde akzeptieren mich so wie ich bin. So fahren sie z. B. mit mir in den Skiurlaub, obwohl es für sie sicher entspannter wäre, nicht auf mich „aufpassen" zu müssen. Es ist für sie einfach normal und selbstverständlich. Meine Freunde und Eltern teilen mit mir nicht nur die positiven Momente meines Lebens, wie z. B. Studienabschluss, Medaillen bei Weltmeisterschaften, sie sind auch für mich da, wenn es Probleme gibt. So haben sich z. B. meine Eltern für mich stark gemacht, damit ich als blindes Kind eine Regelschule besuchen konnte und nicht auf ein Internat für Blinde und Sehbehinderte gehen musste.

Auch Menschen, die ich nur flüchtig oder gar nicht kenne, geben mir Kraft. Wenn ich mit ihnen ins Gespräch komme und von meinem Leben berichte, drücken sie oft ihre Anerkennung aus oder sagen mir, dass ich sie durch das, was ich bis jetzt erreicht habe motiviere, selber aktiver zu werden. Das freut mich sehr und zeigt mir, dass ich auf einem guten Weg bin.

Ich hatte und habe immer Ziele, für die es sich lohnt zu kämpfen. Wenn ich ein Ziel z. B. im Sport einmal nicht erreiche, dann habe ich die Möglichkeit, mir meine Anerkennung über meinen beruflichen Weg oder Hobbys zu holen. Aus meinen Fehlern und Niederlagen habe ich gelernt, und ohne diese „negativen" Erfahrungen stünde ich heute nicht da, wo ich jetzt bin.“

BZgA-Mitarbeiterin Henrike Handrup und Mitstreiterin in Paralympic-Outfit auf ihrem Tandem radelnd© BZgA

Du hast schon an Weltmeisterschaften teilgenommen, nun geht es zusammen mit Deiner Partnerin Ellen Heiny nach London. Welche Gefühle begleiten Dich und wie schätzt Du Deine Chancen auf eine Medaille ein?

„Je größer und wichtiger ein Wettkampf ist, desto mehr steigt die Aufregung. Die Paralympics sind im Gegensatz zu anderen Wettkämpfen vielleicht ein einmaliges Erlebnis. Ich freue mich sehr auf diese Zeit. Wenn ich die olympischen Wettkämpfe im Fernsehen verfolge, steigt meine Vorfreude und Trainingsmotivation noch mehr. In Zeiten, in denen ich nichts zu tun habe (z. B. Fahrt zur Arbeit) stelle ich mir vor, wie die Wettkämpfe ablaufen werden und wie sich die Atmosphäre anfühlen wird. Dieses Gefühl ist eine Mischung aus Freude und Respekt. Wenn der Respekt Überhand nimmt, halte ich mir vor Augen, dass Ellen und ich alles geben werden und dass ich nicht alleine bin. Zu wissen, dass wir ein Team sind, ist für mich sehr beruhigend.

Natürlich möchten wir eine Medaille gewinnen, aber aus unserer Erfahrung haben wir gelernt, dass wir die besten Leistungen zeigen, wenn wir uns nicht zu stark auf ein Ziel fixieren. Nur für eine paralympische Medaille den Radsport zu betreiben wäre für mich zu wenig und würde den Druck erhöhen. Freude und Spaß sind für mich sehr wichtige Faktoren, die unnötigen Druck reduzieren, Kraft geben und für die es sich lohnt zu kämpfen. Wir gehen in vier verschiedenen Disziplinen an den Start (auf der Bahn: 1000 m Zeitfahren und 3000 m Einerverfolgung sowie auf der Straße: Zeitfahren und Straßenrennen). Unser Hauptaugenmerk werden wir auf die 1000 m und das Straßenrennen legen. In diesen beiden Disziplinen sind unsere Medaillenchancen am höchsten, wie hoch wird sich dann vor Ort zeigen.“

Vielen Dank für das Interview. Das „Kinder stark machen"-Team wünscht Euch für die Wettbewerbe viel Erfolg und drückt fest die Daumen, dass Ihr mit einer Medaille aus London zurückkehrt!

 

Hier gibt es ein Portrait von Henrike Handrup und Ellen Heiny: YouTube Video ansehen

Die Paralympischen Spiele fanden vom 29. August bis zum 9. September 2012 in London statt. Mehr Informationen finden Sie unter: www.london2012.com/paralympics