Hansi Flick

„Starker“ Nachwuchs in Sicht?

06.06.2016 | Als Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) verantwortet Hansi Flick die Förderung des Fußballnachwuchses und das Trainerwesen. Kurz vor dem Start der Fußball-EM in Frankreich verrät er im Interview mit „Kinder stark machen“, wie seine Fußballkarriere begann, was gute Trainer ausmacht und wie Niederlagen Kinder stärken können. Am Ende gibt er einen Ausblick auf die Fußball-Höhepunkte 2016 und die Erfolgschancen der deutschen Mannschaften.

Porträt von Hansi Flick
© DFB

Herr Flick, als Sportdirektor beim DFB verantworten Sie die Eliteförderung und das Trainerwesen. Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Trainer oder eine gute Trainerin aus?

„Es ist eine Mischung. Natürlich muss ein Trainer fachlich top sein, er muss den Fußball verstehen und vermitteln können. Er muss eine Idee vom Spiel haben, muss wissen, welche Art des Fußballs am besten zu den Spielern passt, die ihm zur Verfügung stehen. Ein Trainer muss eine gute Ansprache haben, muss seine Spieler überzeugen können. Er benötigt Fingerspitzengefühl, Empathie, aber auch die Härte, unpopuläre Entscheidungen treffen und kommunizieren zu können. Ganz wichtig ist auch Neugier. Trainer müssen sich weiterbilden wollen, sie müssen offen sein für Neuerungen. Ich bin der Überzeugung, dass man als Trainer nie ausgelernt hat. Wer glaubt, alles zu wissen, hat als Trainer keine Zukunft.“

Fußball hat Ihr Leben schon von früh auf geprägt. Wann haben Sie als Kind angefangen Fußball zu spielen?

„Ich habe mit 5 Jahren begonnen im Fußballverein zu kicken. In meinem Heimatort gab es nur zwei Optionen – entweder man wurde Mitglied im Musikverein oder im Fußballverein. Die Entscheidung fiel mir leicht.“

Sie sagen Niederlagen sind Voraussetzungen für Erfolge. Was können Trainer und Trainerinnen dafür tun, dass Kinder aus Niederlagen gestärkt hervorgehen?

„Wer nach Niederlagen nicht enttäuscht ist, dem fehlt der Ehrgeiz. Enttäuschung ist normal, sie gehört dazu. Bei Kindern ist es immer wichtig, das Positive zu betonen, sie dafür zu loben was sie gut gemacht haben. Und es ist hilfreich, wenn man mit ihnen darüber spricht, wo sie sich noch verbessern können. Oft sind auch Kleinigkeiten bei der Formulierung wichtig, manchmal ist es gut, Kindern nicht zu sagen, dass sie etwas falsch gemacht haben, sondern mit ihnen darüber zu reden, wie sie es das nächste Mal anders machen können.“

Familie ist Ihnen wichtig, Sie sind selbst Papa und Opa. Was haben Sie Ihren nunmehr erwachsenen Töchtern mit auf den Lebensweg gegeben – und was vermitteln Sie Ihrer kleinen Enkeltochter?

„Ich habe mich immer an dem folgenden indischen Sprichwort orientiert: ‚Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln. Wenn sie groß sind, verleihe ihnen Flügel.’“

Das Jahr 2016 hält viel Arbeit aber auch besondere Höhepunkte für Sie bereit: Was ist Ihr Ausblick auf die bevorstehende Europameisterschaft in Frankreich, die U 19-EM im eigenen Land und die Olympischen Spiele im Sommer in Brasilien?

Hans-Dieter „Hansi“ Flick (geb. 1965) ist ehemaliger deutscher Fußballspieler und seit dem 1. September 2014 Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Zuvor arbeitete er acht Jahre lang als Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. Gemeinsam wurden sie 2014 Weltmeister in Rio.

„Dass der Weltmeister bei der EM zu den Favoriten gehört, ist klar. Und dass es fantastisch wäre, in Rio Olympisches Gold zu gewinnen, auch. Aber das sind keine Forderungen. Schon gar nicht im Juniorenbereich. Die U 19-EM hat für mich einen sehr hohen Stellenwert, aus meiner Perspektive ist es ja eine doppelte Heim-EM. Das Turnier ist sehr wichtig, eine Heim-EM ist auch im U-Bereich ein absolutes Highlight, auf dieses Turnier freue ich mich sehr. Genauso natürlich auf die Olympischen Spiele in Rio und die EM in Frankreich. Natürlich streben wir immer den größtmöglichen Erfolg an, aber mir geht es genauso darum, zu sehen, wie eine Mannschaft und die Spieler unsere Leitlinien und unsere Spielauffassung umsetzen. Da geht es auch um Entwicklungen, um Erfahrungen. Für das Eröffnungsspiel der U19-EM gegen Italien sind 50.000 Karten verkauft, so ein Erlebnis bringt junge Spieler enorm weiter. Und es hilft ihnen nicht, wenn die Erwartungen zu hoch sind. Grundsätzlich gilt: Wir wollen gut vorbereitet sein, uns bestmöglich verkaufen, mit Begeisterung Fußball spielen und gute Repräsentanten Deutschlands, des DFB und des deutschen Fußballs sein.“

Vielen Dank, Herr Flick!