Dr. Heidrun M. Thaiss

Suchtvorbeugung ist eine Gemeinschaftsaufgabe

27.04.2015 | Dr. Heidrun M. Thaiss ist die neue Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Im Interview erklärt sie, warum die Einbindung der lokalen Partner für „Kinder stark machen“ so wichtig ist und welchen Einfluss der Sport auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen haben kann.

Porträt von Dr. Heidrun M. Thaiss
© BZgA

Seit nunmehr 20 Jahren besucht die BZgA mit „Kinder stark machen“ Sport- und Familienveranstaltungen in ganz Deutschland. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher im Jubiläumsjahr?


„Unsere bundesweite Jubiläumstour umfasst 21 Stationen – kleinere und größere Veranstaltungen – oft mit Bezug zum Sport. Ein gemeinsamer Nenner sind immer Mitmachangebote, die sowohl Kinder als auch Erwachsene ansprechen und bei denen idealerweise die ganze Familie gemeinsam aktiv werden kann. Bei unserem Programm auf der Spielbühne und den Mitmach-Stationen wie dem Niedrigseilgarten und dem Vertrauensparcours dreht sich alles um Mut, Anerkennung und Teamgeist. So wollen wir unser Motto „Kinder stark machen“ erlebbar und erfahrbar machen. Darüber hinaus bieten wir Eltern in unserem Beratungszelt umfassende Informationen zu allem, was sie über die gesunde Entwicklung ihrer Kinder wissen sollten.“

Ein wichtiger Baustein des Veranstaltungskonzeptes war von Beginn an die Einbeziehung lokaler Partner. Warum ist das so wichtig?


„Es gibt das schöne afrikanische Sprichwort ‚Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf‘. Suchtvorbeugung ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur im Verbund von Elternhaus, Kita, Schule und organisierten Freizeitangeboten wie z.B. dem Sport gut gelingen kann. Deshalb brauchen wir als nachgeordnete Bundesbehörde immer die Unterstützung vor Ort. Ich freue mich deshalb sehr, dass sich an den Veranstaltungen in der Regel die örtlichen Präventionsfachstellen, Jugendämter oder Gesundheitsämter mit eigenen Angeboten beteiligen.“

Von Anfang an war die Zusammenarbeit mit den Sportverbänden eine wichtige Säule der Mitmach-Initiative. Was beinhaltet die Zusammenarbeit?


„Suchtprävention ist dann erfolgversprechend, wenn sie bereits im Kindesalter, lange vor dem ersten Kontakt mit Suchtmitteln, beginnt. Werden Kinder frühzeitig in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert, können sie sich zu selbstbewussten Jugendlichen entwickeln. Hier bietet gerade der Sport eine breite Palette von Lernfeldern. Der Umgang mit Sieg und Niederlage, das Einordnen in ein Team, das Erfahren und Ausloten körperlicher und mentaler Grenzen – mit dieser Summe von Erfahrungen kann der Sport einen wichtigen Beitrag leisten, Kinder und Jugendliche stark zu machen. Weil hier besonders die Trainerinnen und Trainer als Vorbilder und wichtige Vertrauenspersonen gefordert sind, hat die BZgA für diese gemeinsam mit den Sportverbänden spezielle Schulungen entwickelt. Darüber hinaus beinhaltet unsere Tour jedes Jahr auch zahlreiche Sportveranstaltungen, auf denen wir für ein suchtfreies Leben werben. Und unser Serviceangebot versorgt bundesweit interessierte Vereine mit kostenlosen Materialien rund um das Thema frühe Suchtvorbeugung.“

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Thaiss!