Anja Gröschell

Hauptaufgabe der Präventionsstelle ist, Verunsicherung bei Eltern abzubauen

04.05.2016 | Anja Gröschell ist Mitarbeiterin bei der DROB – Drogenhilfe Recklinghausen und Ostvest e.V. Die Präventionsstelle stellte ihr regionales Beratungsangebot beim Kulturvolksfest im Erlebnisland vor. Die Dipl.-Sozialpädagogin und Dipl.-Sportlehrerin spricht im Interview über ihre Beratungsarbeit und die für sie aktuell größten Gefährdungen für Kinder und Jugendliche in Bezug auf Abhängigkeit und Süchte.

Porträt von Anja Gröschell

Mit welchen Fragen oder Problemen kommen Eltern zu Ihnen in die Fachstelle für Suchtprävention?

„Eltern sind häufig im Umgang mit ihren pubertierenden Kindern verunsichert, wenn diese mit Suchtmitteln experimentieren. Sie fragen sich, wie sie angemessen reagieren können, wenn das eigene Kind das erste Mal Alkohol trinkt, angetrunken nach Hause kommt, Cannabis oder sogar andere Drogen konsumiert. Wir unterstützen Eltern, mit ihrem Kind zu reden, die Situation des Jugendlichen besser einzuschätzen, und überlegen mit ihnen gemeinsam, welche Regeln und Absprachen gerade für diese Situation und für das Alter des Kindes sinnvoll sind. Abhängig von der jeweiligen Situation und dem Konsumverhalten des Kindes nutzen Eltern regelmäßige unterstützende Gespräche in unserer Beratungsstelle. Wir vermitteln zudem weiterführende Hilfen, sofern es erforderlich ist.“

Worin sehen Sie aktuell die größten Gefährdungen für Kinder und Jugendliche in Bezug auf Abhängigkeit und Süchte?

„Der Konsum von Alkohol spielt in unserer Gesellschaft eine große Rolle. Alkohol ist allgegenwärtig, fester Bestandteil aller Festivitäten und Erwachsene sind nicht immer gute Vorbilder im Umgang mit Alkohol. Gerade deshalb ist es umso wichtiger, jungen Menschen einen genussvollen und kontrollierten Umgang zu vermitteln. Das Vorbildverhalten von Erwachsenen, sinnvolle Vereinbarungen im Elternhaus, aber auch die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes sind hier bedeutsam.
In der Welt der Kinder und Jugendlichen hat die Vielzahl von Medien zudem an Bedeutung gewonnen und ist fester Bestandteil des Alltags. Die Vermittlung von Medienkompetenz ist ebenfalls ein wichtiges Thema, um ein Abgleiten in ein missbräuchliches oder abhängiges Konsumverhalten zu verhindern.“

Warum engagieren Sie sich regelmäßig beim Kulturvolksfest der Ruhrfestspiele mit dem Motto „Kinder stark machen“ und was bieten Sie auf dem „Grünen Hügel“ an?

„Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu fördern, sie in ihren Kompetenzen zu stärken und einen angemessenen Umgang mit Medien und Suchtmitteln zu entwickeln, ist eine wichtige Aufgabe unserer Fachstelle. Daher unterstützen wir die Kampagne der BZgA „Kinder stark machen“ immer sehr gerne. Wir bieten einen Informations- und Mitmachstand an. Jugendliche und Erwachsene können mit einer Rauschbrille den Vollrausch und die damit verbundenen Einschränkungen erleben. Eltern, pädagogische Fachkräfte, aber auch Kinder und Jugendliche können sich zudem über unsere Arbeit informieren. Wir nutzen die Möglichkeit, insbesondere bei Eltern die Hemmschwelle abzubauen, sich bei Fragen und Problemen an uns zu wenden.“

War Ihre Familie auch beim Kulturvolksfest? Welche Angebote waren denn besonders empfehlenswert?

„Meine Familie und Freunde haben – wie auch in den letzten Jahren – gerne das Kulturvolksfest besucht und die vielfältigen Angebote genutzt. Mein siebenjähriger Sohn hat alle Stationen des Erlebnislandes „Kinder stark machen“ begeistert ausprobiert, war auf der Spielbühne aktiv und hat mutig die Riesenschaukel des Hochseilgartens Recklinghausen getestet. Spannend fand er ebenfalls die unterschiedlichen Walking Acts.
Ich selbst war die meiste Zeit an unserem Stand aktiv. Wir haben viele Gespräche mit Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen sowie interessierten Bürgerinnen und Bürgern geführt. Da konnte ich das vielfältige Angebot selbst leider nicht wahrnehmen. Ich hätte mir gerne das eine oder andere Theaterstück angesehen.“

Vielen Dank für das Gespräch!