André Gatzke

Wer nicht mehr spielt, wird alt

19.12.2016 | André Gatzke ist Moderator bei KiKA, von Beruf Ergotherapeut und ein begeisterter Spieler. Über seine Freude und Begeisterung am Spielen hat er ein Buch geschrieben: Es bietet 365 Spielideen – eine für jeden Tag des Jahres. Im Interview mit „Kinder stark machen“ erzählt der zweifache Vater, was das Besondere am gemeinsamen Spielen ist. Zudem verrät er, welche seine Lieblingsspiele sind und warum sich diese gegen Smartphones & Co. bewähren können.

Porträt von André Gatzke
© Felix Stöve

Lieber André, Kinderspiele sind Deine große Leidenschaft. Woher kommt das? Haben Deine Eltern mit Dir oft gespielt?

„Ja, haben sie. Meine Mutter ist Kinderkrankenschwester und Erzieherin und allein dadurch prädestiniert. Aber auch mein Vater hat immer viel und vor allem überall mit uns gespielt. Egal ob beim Einkaufsbummel (z. B. das Spiel „Schaufensterschätzer“) oder im Restaurant (das Spiel „Münzen“).“

Was ist das Besondere am gemeinsamen Spielen? Was löst das bei Kindern und vielleicht auch bei Erwachsenen aus?

„In erster Linie soll Spielen Spaß machen. Zu Ergotherapeutenzeiten wollte ich ein Therapiebuch schreiben. Ich fand es aber – neben vielen anderen Sachen, die Spiele fördern – am wichtigsten zu vermitteln, wie viel Spaß Spielen bereitet. Und außerdem: Nicht wer alt wird, spielt nicht mehr, sondern wer nicht mehr spielt, wird alt!“

Dein Buch bietet Spielideen für 365 Tage. Es sind alte Spiele dabei und allerhand neue, die Du Dir ausgedacht hast. Wie sind Dir die Spiele eingefallen? Und hast Du wirklich alle Spiele einmal selbst gespielt?

„Ich habe bereits als Ergotherapeut Spiele gesammelt: alle in einem Karteikartensystem mit Förderschwerpunkt auf der Rückseite. Da hatte ich schon ca. 150 Spiele. Andere Spiele habe ich recherchiert oder mir einfach ausgedacht. Wenn mir mal nichts mehr einfiel, habe ich den Raum – also den Blickwinkel – gewechselt. Ratet doch mal, wo mir überall Spiele eingefallen sein könnten! Und ja, ich habe alle Spiele selber schon gespielt.“

Welches ist Dein Lieblingsspiel?

„Das bin ich schon oft gefragt worden. Und mir ist aufgefallen, dass es immer ein anderes war. Aber meistens mag ich Geschicklichkeitsspiele, bei denen es einen klaren Gewinner gibt. Ihr könnt ja gerne mal versuchen, mich zu schlagen! Ich halte mich für unbesiegbar, auch wenn ich es nicht bin.“

Eltern klagen heute sehr darüber, dass sie zu wenig Zeit haben. Du bist selbst Vater von einer zweijährigen Tochter und einem vierjährigen Sohn: Was ist Dein Tipp an Eltern, dem gemeinsamen Spielen wieder mehr Raum zu geben?

„Als Vater und in einem Job, in dem ich viel unterwegs bin, weiß ich gut, wie schwer es manchmal ist, Zeit zu haben. Aber genau deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Es enthält Spiele, mit denen man ohne viele Hilfsmittel sofort loslegen kann. Und oft fallen dem einen oder anderen auch wieder seine Lieblingsspiele von früher ein oder man erfindet eigene Variationen.“

Gezeichnter geöffneter Koffer© Verlagsgruppe Beltz

Smartphones und Spielkonsolen sind starke Konkurrenten des klassischen Spielens. Wie können Spiele wie „Bewegungskoffer packen“, „Rollentausch“, „Blindfisch“ oder „Flaschenfußball“ dagegen überzeugen?

„Ich bin der Überzeugung, dass auf die Frage ‚Möchtest Du fernsehen oder lieber ein Spiel mit Papa spielen?’, sich die meisten Kinder für Spielzeit mit Papa oder Mama entscheiden. Aber machen wir uns nichts vor, im Handy-App-Zeitalter ist die Verlockung schon groß. Man muss „Spielen“ und „Spielen“ einfach trennen. Der Computer ist heutzutage nicht mehr wegzudenken und das ist auch gut so.“

Letzte Frage: Spielen hat ja auch mit „verlieren können“ zu tun. Sollten Eltern ihre Kinder ab und an gewinnen lassen – oder macht es Kinder stärker, wenn sie lernen, auch mal zu verlieren?

„Ich denke, dass sollte man von Fall zu Fall mit gutem Elternverstand entscheiden. Ich bin schon ein harter Hund und gewinne auch sehr gerne. Aber ich lasse Freunde oder Kinder auch mal gewinnen. Es ist doch nur ein „Spiel“.“

Vielen Dank!

Zur Person:

André Gatzke moderiert bei KiKA die „Sendung mit dem Elefanten“, „Die Sendung mit der Maus“, „2 durch Deutschland“ und „Wer fliegt, der siegt“. Außerhalb des Fernsehens moderiert er große Kinder- und Familienveranstaltungen. Außerdem spricht er Hörbücher und Hörspiele. André Gatzke ist gelernter Ergotherapeut und leitete zehn Jahre eine Praxis in Köln.

Weitere Infos unter www.andregatzke.de.